Zunächst einmal: Es hat nichts mit Masochismus zu tun, und es macht auch keinen Spaß!
Mögliche Gründe können beispielsweise sein:
- Es fungiert als Ventil, um mit großem emotionalen Druck fertig zu werden
- Wenn der aufgestaute Druck zu stark wird, muß es irgendwie raus. Andere gehen vielleicht in den Wald und schreien, schreiben Tagebuch oder lassen sich an einem Sandsack aus. SVVler verletzen sich in solchen Situationen selbst - sie haben irgendwann "gelernt", daß nur diese Methode hilft. Man hat zwar nur eine kurzeitige Erleichterung und die Schuld- und Schamgefühle hinterher sind auch furchtbar, aber eben nicht so schlimm wie die Gefühle vorher...
- Es holt einen "auf den Boden" zurück, wenn man sich gedanklich im Kreis dreht, "abhebt"
- SVV kann "Gedankenspiralen" stoppen. Manchmal hat man so viele Gedanken im Kopf, daß man fast wahnsinnig wird, oder man hängt in einer "Endlosschleife", und die Gedanken kreisen immer wieder um dasselbe Thema. Dann ist SVV eine Methode, dies zu stoppen, weil der Schmerz etwas "reales" ist, man zwingt sich dadurch sozusagen zurück ins Hier und Jetzt...
- Man merkt, daß man noch lebt
- Wenn man das Gefühl hat, man ist taub oder gefühllos, irgendwie nicht mehr ganz hier, schon fast wie tot, vermittelt einem SVV das Gefühl, daß man noch lebt - schließlich fließt ja Blut, man muß also noch da sein...
- Als eine Form der Selbstbestrafung
- Gründe sich zu bestrafen gibt es immer genug. Häufig geben Mißbrauchsopfer diese SVV-Begründung an, da Sie Schuld- und Schamgefühle entwickelt haben, sich selbst die Schuld am Mißbrauch geben...
- Der körperliche Schmerz überdeckt den seelischen Schmerz
- Manchmal wird der seelische Schmerz so groß, daß man es nicht mehr aushalten kann - in diesem Fall kann der körperliche Schmerz diesen überdecken oder zumindest kleiner erscheinen lassen...
- Hass auf sich, auf seinen Körper
- Was man hasst, möchte man zerstören, oder zumindest ändern - wenn es auch nur durch Narben ist...
- als Hilferuf
- Auch wenn die meisten SVVler Ihre Wunden verstecken, kann es doch manchmal ein Hilferuf sein, die einzige Möglichkeit auszudrücken "Mir geht es schlecht!"...
- Um einen möglichen Selbstmord abzuwenden
- Normalerweise sollte man SVV und Suizid zwar nicht unmittelbar in Verbindung bringen, aber viele SVVler sagen aus, daß sie sich schon lange umgebracht hätten, wenn sie nicht die Möglichkeit des SVV hätten...
- Kontrolle, Selbstabgrenzung
- Frei nach dem Motto: Bevor Du mich verletzt, mache ich das lieber selbst, dann bin ich nicht mehr angreifbar. Manche Mißbrauchsopfer "kennzeichnen" damit auch ihren Körper als ihr "Eigentum", holen ihn sich damit zurück, haben das Gefühl, endlich selbst zu entscheiden, was damit passiert...
- Um diejenigen zu bestrafen, die einen im Vorfeld verletzt haben
- Klingt logisch... Danke an .:Fallen Angel:. für diesen Hinweis
- Sucht
- Last but not least kann SVV auch zu einer eigenständigen Sucht werden, man erlebt durch den Schmerz zum Teil Glücksgefühle, auf die man nicht mehr verzichten kann..